
Unsere Position
Die folgenden Prinzipien drücken unsere Vision sowie unsere Ziele bezüglich eines Regelwerks für gewünschte, freiwillige und staatlich regulierte Leihmutterschaft aus. Diese Prinzipien stehen im Einklang mit den ‚Regeln für Dienstleister‘ sowie ‚Best Practice zu Leihmutterschaft‘, die wir separat anbieten, und enthalten ergänzende Regeln zu Fragestellungen, die in diesen beiden Dokumenten nicht ausdrücklich behandelt werden.
1. Optionen für die Elternschaft
Leihmutterschaft sollte eine rechtlich erlaubte Option zur Elternschaft für jeden sein, Einzelpersonen oder Paar, der nicht auch ohne den Weg einer Leihmutterschaft zu biologische Eltern werden können.
Diese Definition schließt sowohl medizinische Unfruchtbarkeit (bei Frauen oder Transmännern, die einen Uterus haben aber aus medizinischen Gründen keine Schwangerschaft austragen können) als auch soziale Unfruchtbarkeit (bei Frauen und Transmänner ohne Uterus) ein, aber nicht Frauen, die einfach keine Schwangerschaft wünschen.
2. Freie Entscheidungen aller Beteiligten
Frauen überall sollen das Recht haben selbst zu entscheiden, wann, wie und unter welchen Bedingungen sie bereit sind, Paare mit Kinderwunsch durch eine Eispende oder durch Austragen eines Babys zu unterstützen.
3. Rechtlich verbindliche Vereinbarungen
Die Rechtsprechung sollte in angemessener Weise für alle zukünftigen Eltern, Eispenderin und Leihmutter dahingehend weiterentwickelt werden, dass rechtlich verbindliche Vereinbarungen zur Durchführung von Leihmutterschaften geschlossen werden können ohne dass Landes- oder internationale Grenzen überschritten werden müssen
Rechtliche Einschränkungen, die es erfordern, dass Wunscheltern über weite Entfernungen reisen müssen, erschweren den Aufbau sozialer Beziehungen mit der Leihmutter und ihrer Familie, und stellen für den Prozess unnötige kulturelle und finanzielle Hindernisse dar.
4. Minimierung medizinischer Risiken
Es muss durch entsprechende Maßnahmen einschließlich angemessener Regulierung sichergestellt werden, dass medizinische Risiken für Eispenderin und Leihmutter im Rahmen einer Leihmutterschaft minimiert werden
Sorgfältige Auswahlkriterien und Prüfungsprotokolle sind die besten Möglichkeiten, um Risiken für Eispenderin und Leihmutter, die mit dem Prozess der Leihmutterschaft in Verbindung stehen können, zu minimieren.
5. Sorgfältige Abwicklung
Es soll eine sorgfältige Abfolge von Schritten eingehalten werden, einschließlich angemessener Regulierung, die sicherstellt, dass alle am Verfahren der Leihmutterschaft beteiligten Personen zu jeder Zeit informierte Entscheidungen treffen können sowie ausdrücklich ihre Zustimmung zu ihrer Teilnahme geben können. Besonderes Augenmerk sollte darauf gerichtet werden, dass Kandidaten für die Eispende oder Leihmutterschaft Zugang zu unabhängiger medizinischer und rechtlicher Beratung erhalten, sowie kontinuierliche psychologische und emotionale Unterstützung.
Wir sind der festen Überzeugung, dass letztlich die Qualität der Interaktion zwischen allen betroffenen Parteien den Charakter einer wertschätzenden Leihmutterschaft ausmacht, sowie auch die kontinuierliche Wahrnehmung der Leistung der Leihmütter im Laufe des Prozesses.
6. Kriminologische Hintergrundprüfung
Eltern mit Kinderwunsch sollten einer kriminologischen Hintergrundüberprüfung unterzogen werden, die der angehenden Leihmutter vor Zustimmung zur Leihmutterschaft zur Verfügung gestellt wird, um eine informierte Entscheidung zu ihrer persönlichen Sicherheit treffen zu können.
7. Angemessene Entschädigung
Alle an der Ermöglichung einer Leihmutterschaft mitwirkenden Parteien sollten über direkte Kosten hinaus das Recht zu einer angemessenen finanziellen Entschädigung erhalten, möglicherweise auch stattlich reguliert, um damit Eispenderin und/oder Leihmutter für eingegangene Risiken, Anstrengungen, sowie weitere Unannehmlichkeiten in Verbindung mit ihrer Tätigkeit zu kompensieren, in jedem Fall aber auch unabhängig vom Ausgang der Leihmutterschaft.
Wir glauben, dass eine solche Vergütung den altruistischen Charakter der Rolle nicht mindert. Im Gegenteil sind wir der Überzeugung, dass Regulierung im Sinne einer reinen Kostenentschädigung erniedrigend und bevormundend ist und nicht dazu beiträgt, Leihmütter zu schützen, sondern oft zu ausweichendem Verhalten führt, das eine positive Erfahrung aller Beteiligten eher blockiert.
8. Staatliche Regulierung
Entschädigungsrichtlinien für Eispenderin und Leihmutter sollten von staatlicher Seite reguliert oder mindestens empfohlen werden um unverhältnismäßig hohe Summen zu verhindern, die wiederum nicht gewollte finanzielle Anreize schaffen könnten.
Obwohl wir eine ethische Notwendigkeit nicht zwingend sehen, glauben wir dennoch, dass es sinnvoll für staatliche oder nicht-staatliche Stellen sein kann, eine Deckelung für die Kompensation von Eispenderin und Leihmutter zu fordern. Es ist durchaus möglich, dass eine solche Deckelung dazu beitragen kann, andere als altruistische Motivationen für die Zustimmung zu Eispende und Leihmutterschaft zu reduzieren, und bestimmte Fälle auszuschließen, die unerwünschte medizinische oder psychologische Folgen haben könnten. Daher sollte die Aufstellung von Richtlinien für die Kompensation zumindest von staatlicher Seite nicht untersagt werden.
9. Rolle von Vermittlungsagenturen
Vermittlungsagenturen können eine wichtige Rolle dabei spielen, mögliche Leihmütter und Eispenderinnen mit zukünftigen Eltern zusammen zu bringen, aber auch um Unterstützung und Koordination im Prozess zu gewährleisten. Während diese Agenturen auch angemessene Bezahlung erhalten dürfen, sollten überhöhte Provisionen, möglicherweise auch durch staatliche Kontrollen, verhindert werden, die sich den generellen Mangel an Kandidaten zu nutzen machen. Im Idealfall sollten zumindest Dienstleistungen in Verbindung mit der Suche nach Eispenderin und Leihmutter von gemeinnützigen Organisationen ausgeführt werden.
11. Weitere Forschung
Zusätzliche medizinische und soziale Forschung ist notwendig, um die Motivation, Erfahrungen und Folgen von Eispende und Leihmutterschaft besser verstehen zu können und eine Richtschnur für Best Practices aller beteiligten Bereiche geben zu können.
10. Zugang für alle
Zugang zu Leihmutterschaft sollte bezahlbarer gestaltet werden, und zwar durch den Abbau unnötiger Hindernisse (beispielsweise durch die Notwendigkeit einer Adoption durch das zweite Elternteil, d.h. in viele Ländern den nicht biologischen Vater), durch verbesserten Zugang zu entsprechenden Leistungen von Krankenversicherungen, den Verzicht auf andere oft teure und nicht erfolgsversprechende Behandlungen, sowie durch das Anstreben von erhöhter Kostentransparenz bei den Dienstleistern.